Junge Asylwerber im Geriatriezentrum

Ein Projekt des Samariterbundes und der VHS Hietzing zeigt, wie sich Flüchtlinge im Geriatriezentrum um ältere Menschen kümmern.

Junge Asylwerber im Geriatriezentrum

13.10.2014

Die 83-jährige Irmgard P. spielte früher gerne Schach. Lange gab es niemanden in ihrem Leben, der Zeit und Interesse hatte, ihr Hobby zu teilen. Das hat sich nun geändert. Der 16-jährige Sayed aus Afghanistan besucht sie und eine kleine Gruppe anderer älterer Damen im Geriatriezentrum am Wienerwald einmal pro Woche für zwei Stunden. Und er liebt Schachspielen. „Ich hoffe, dass die Burschen in Österreich bleiben können“, sagt Irmgard P.

Sayed lebt seid rund zehn? Monaten im Haus Sidra, dem Wohnhaus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge des Samariterbundes Wien, wo die Jugendlichen die Möglichkeit haben, die Schule oder Deutschkurse zu besuchen. Er und fünf andere Jugendliche aus dem Haus Sidra nehmen an dem Projekt teil, das auf Initiative des Direktors der VHS Hietzing, Dr. Robert Streibel, mit dem Wiener Samariterbund und dem Geriatriezentrum am Wienerwald zustande gekommen ist. Bei den wöchentlichen Treffen wird gespielt, gebastelt und vor allem viel geredet und gelacht.

„Der Austausch zwischen den Jugendlichen und den älteren Damen ist für beide Seiten eine wichtige Bereicherung“, erklärt Mag. Oliver Löhlein, Geschäftsführer des Samariterbundes Wien: „Hier haben die jungen Flüchtlinge eine weitere Chance, eine Annäherung an die Bevölkerung in Österreich zu erreichen. Da Asylwerber in Österreich grundsätzlich nicht arbeiten dürfen, ist dies eine Möglichkeit zu zeigen, wie sinnvoll ihre Beschäftigung sein kann. Den älteren Menschen wird Zuneigung und Zeit geschenkt, was in unserer heutigen Gesellschaft immer seltener wird“, so Löhlein.

„Die jungen Asylwerber aus dem Haus Sidra nützen jede Chance für zwischenmenschlichen Austausch, denn Integration gelingt nur durch den Kontakt zu Menschen“, ist auch Dr. Robert Streibel, Direktor der VHS Hietzing, überzeugt, der bereits zahlreiche soziale Projekte erfolgreich initiiert und durchgeführt hat.

Interesse für die neue Kultur besteht aber auf beiden Seiten. „Bis zu Projektbeginn hatte keine der Damen interessiert, wo Afghanistan liegt. Jetzt wurde in allen Patientinnen eine große Neugierde geweckt“, erzählt Brigitte Gadnik-Jiskra, Projektleiterin im Geriatriezentrum am Wienerwald. „Die Arbeit in der Geriatrie bedeutet, Menschen in den letzten Jahren ihres Lebens zu begleiten und ihnen damit etwas Zuversicht und Lebensfreude zu vermitteln. Durch die Zusammenarbeit mit den jungen Asylwerbern aus dem Haus Sidra ist das Projekt nun auch eine Arbeit für die Zukunft“, so Gadnik-Jiskra.

Wer das Projekt unterstützen möchte, erhält nähere Informationen unter: presse@samariterbund.net oder robert.streibel@vhs.at


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