Einem Leben auf der Straße hilflos ausgeliefert

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen treiben Millionen von Kindern noch mehr in die Enge

Foto: Simone Berga

Einem Leben auf der Straße hilflos ausgeliefert

25.01.2021

Für Millionen Kinder weltweit, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, hat die Corona-Pandemie ihre ohnehin schon prekäre Lage weiter verschlechtert. Dabei ist es gar nicht so sehr das Virus selbst, das diese Kinder am stärksten bedroht. Es sind die (wiederholt) verhängten Sperren des öffentlichen Lebens, die den Kindern ihre Lebensgrundlage entziehen. Geschlossene Schulen, die steigende Armut durch die mit der Pandemie einhergehenden Wirtschaftskrisen in vielen Ländern lässt zudem befürchten, dass noch mehr Kinder in ein Leben auf der Straße gedrängt werden.

„Manche Staaten sind nicht in der Lage oder auch nicht Willens, Straßenkindern zu helfen“, sagt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt. Mit dem „Tag der Straßenkinder“ – rund um den Gedenktag des Jugendheiligen Don Bosco am 31. Jänner – macht die österreichische Hilfsorganisation alljährlich auf die schwierige Situation dieser Kinder besonders aufmerksam. Weltweit sorgen sich die Projekt-PartnerInnen von Jugend Eine Welt um das Wohl dieser Kinder und bieten ihnen in ihren Einrichtungen einen „sicheren Hafen“. Oft der einzige Rettungsanker für Straßenkinder.

Ausgeschlossen
Die Kinder versuchen, mit Betteln, dem Verkauf kleiner Waren und Dienstleistungen wie Lasten tragen, Auto oder Schuhe putzen, Geld zu verdienen, um sich damit das Notwendigste zum Überleben kaufen zu können. „Die Lockdowns reduzieren den Verkehr, das bunte Treiben auf den Straßen fällt weg und so auch die Teilnahme der Kinder an dieser informellen Wirtschaft“, berichtet Roland Kornhäusl, Programmmanager von Don Bosco Tech Afrika, einem Netzwerk der Ausbildungsstätten zur beruflichen Bildung der Jugend Eine Welt-Projektpartner in Kenia. „Jetzt, wo uns gesagt wird, dass niemand mehr auf den Straßen herumlaufen darf, habe ich Angst, dass wir an Hunger sterben werden, anstatt an Corona“, meinte dazu ein junger Bursche in Nairobi.

Ähnliches erzählt die aus Tirol stammende Don Bosco Schwester Hanni Denifl, Leiterin eines Mädchen-Schutzheimes in Abidjan, der größten Stadt der Republik Côte d’Ivoire. Im Auftrag der Regierung versuchten Hilfseinrichtungen in Abidjan, die Kinder von der Straße zu holen und sie zu ihren Familien zu bringen. Kaum waren die Sperren aufgehoben, kehrten die Kinder wieder zurück. Wohl auch, weil sie erneut vor der Gewalt in der eigenen Familie flüchten mussten. Einer der traurigen Hauptgründe, warum Kinder überhaupt ihre Familie verlassen und ein Leben auf den Straßen führen.

Langsames Abrutschen
Beim „Consortium for Street Children“ (CSC) – die internationale Plattform zum Schutz von Straßenkindern, der auch Jugend Eine Welt angehört – befürchtet man, dass die Kinder mit dem Wegfall ihres informellen „Arbeitsplatzes“ zu noch gefährlicheren Überlebenstaktiken gezwungen werden. Zudem sind Straßenkinder oft von staatlicher Nothilfe ausgeschlossen, weil sie keine Papiere haben. In Indien verteilten zum Beispiel Regierungsbeamte in Armenvierteln der Städte Gutscheine für Einkäufe in Geschäften. Um diese einzulösen, musste jedoch ein offizieller Ausweis vorgezeigt werden.

Generell bestehe die Gefahr, dass Kinder nun „schleichend“ in ein Leben auf der Straße gedrängt werden. Eltern haben durch die Wirtschaftskrise ihren Job oder ihre Geschäftsbasis verloren. Ohne regelmäßiges Familieneinkommen müssen Kinder bei der Beschaffung des Notwendigsten ihre Eltern unterstützen – und besuchen deshalb die Schule nicht mehr. Der Beginn eines fatalen Kreislaufes. Umgekehrt haben die (coronabedingten) Schulschließungen einen ähnlichen Effekt: Kinder bekommen keine Schulmahlzeiten mehr und ohne das von Schulen oft gebotene „Sicherheitsnetz“ sind sie anfälliger für Missbrauch, Gewalt und Kinderarbeit. Online-Unterricht scheitert bei vielen am fehlenden technischen Equipment. Um diese digitale Kluft zu überwinden, haben zum Beispiel die Projektpartner in Indien hunderte Schüler mit Handys oder TV-Geräten ausgestattet, wie Noel Maddhichetty, SDB, Direktor des Don Bosco Network South Asia jüngst berichtete.

Jugend Eine Welt hilft
Jugend Eine Welt intensiviert alle Anstrengungen, um Straßenkinderprojekte und besonders die vielen Bildungs- und Ausbildungsprojekte sowie Stipendienprogramme für benachteiligte Kinder und Jugendliche in vielen Ländern nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen. Reinhard Heiserer: „Wir dürfen diese Kinder gerade jetzt nicht zurücklassen! Darum werden wir bei Jugend Eine Welt auch nicht müde, in ihrem Namen um Spenden zu bitten.“


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