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Kolumne von

Ist die Politik imstande das Erbe des Ortsbildes zu erhalten?

Eduard Issel zeigt Beispiele für sorglosen Umgang mit den alten Hietzinger Ortskernen.

Wir sehen an vielen Beispielen, dass die Willenskundgebungen der Verantwortlichen in der Politik stark von der Realität abweichen.

Beispiele dafür: Einsiedeleigasse 4-6, ein klassisches Muster zu Ende geführten Umgebungsraubbaues. Ein trauriger Torso eines verwaschenen Willens zwischen vermeintlicher Pflege es Ortsbildes und Hingabe an privatwirtschaftliche Interessen. Keine Spur von anspruchsvoller Architektur.

Ein jüngeres Stadium des Umgebungsraubbaus scheint gerade die Liegenschaft Hietzinger Hauptstraße 170 (Schuhreparaturwerkstätte) zu durchlaufen, ein für das Ortsbild extrem wichtiges Gebäude. Alles deutet darauf hin, dass der Eigentümer kein Interesse an der Erhaltung des Gebäudes in der jetzigen Form hat. Die üblichen kleinen Verfallserscheinungen werden offensichtlich gerne in Kauf genommen (Schäden am Dach, an der Fassade, vernachlässigte Fenster, verstopfte Rinnen, Verblechungsschäden und ein seit Jahren zum extremen Schaden der Kaufmannschaft in Ober St. Veit leerstehendes Geschäft. Offensichtlich besteht seitens des Eigentümers kein Interesse an einer Neuvermietung, denn laut verlässlichen Informationen gab und gibt es viele Anfragen. Damit stellt sich die Frage, ob hier auf einen wirtschaftlichen oder technischen Abbruch hingearbeitet wird!

Es gibt noch zahlreiche weitere Gebäude, bei denen die Frage nach den wahren Interessen der Eigentümer zu stellen ist: Firmiangasse 19 (ein winziges für das Ensemble wichtiges Haus), Glasauergasse 15, Rohrbacherstraße 29 etc. Überall deutliche Verfallserscheinungen durch offensichtliche Leerstehung seit Jahren.

Natürlich kann man nicht nur Unwillen der Eigentümer zur Erhaltung der eigenen Liegenschaften voraussetzen; es stellt sich auch die Frage, welche Hilfestellung die öffentliche Hand anbietet, wenn sie bestimmte Gebiete zu Schutzzonen erklärt. De facto gibt es derzeit kaum eine Hilfestellung, nur bloßes Zuschauen um dann mit Bedauern festzustellen, dass dieses oder jenes Gebäude unrettbar verloren ist. Es müssen finanzielle Mittel für die Erhaltung von Gebäuden in den Schutzzonen bereitgestellt werden, wenn diese aus Eigenem nicht mehr erwirtschaftet werden können. Ein solcher Fördertopf würde auch zur wirtschaftlichen Belebung der örtlichen Handwerksbetriebe beitragen können (Stichwort „Konjunkturpakete“).

Das Hauptproblem liegt allerdings in den Flächenwidmungen, die in den Schutzzonen teilweise erheblich über den Bestand hinausgehen und damit der Spekulation Tür und Tor öffnen. Ein heißes politisches Eisen, und da nach der Wahl immer vor der Wahl ist, werden solche Dinge nicht zum Schutz der Schutzzonen verändert.

Aber auch außerhalb der Schutzzonen sind verheerende Dinge mit dem Ortsbild passiert. Mehrstöckige Häuser mit Mietskasernencharakter haben am Beginn der Fasangartengasse die letzten Grünlücken geschlossen. Die Frage stellt sich, welche Rolle die MA 19 (Stadtgestaltung) hier wahrnimmt. Dies trifft natürlich auch auf viele andere Gebäude zu, inklusive solcher, die vermeintlich modernen Ansprüchen gerecht werden wollen. Ein Beispiel ist das alle Relationen zur Umgebung missachtende Haus Ecke Jagdschloßgasse/Gobergasse vis-a-vis der weltberühmten Werkbundsiedlung.

Ein Extrembeispiel ist der Komplex am Ende der Ghelengasse bei der Lindwurmwiese, wo die dicht verbundenen Gebäudetrakte einen Monolith in locker verbauter Umgebung bilden. Eine Ungeheuerlichkeit für jeden kleinen privaten Bauherren, der oft um Zentimeter streiten muss.

Abschließend ist noch auf die dringend zu beendende quasi „Narrenfreiheit“ der Plakatfirmen in den Schutzzonen hinzuweisen, aber auch die ortsbildresistente Haltung vieler Grundeigentümer, die ihre Liegenschaften mit Plastikplanen, Schilfmatten. Holzlatten etc. in bauordnungswidriger Weise abschotten. Der Zustand der Straßen und das fehlende Verkehrskonzept (z. B. Entfernung des Durchzugsverkehrs aus den historischen Ortskernen laut seit langem bestehendem Masterplan) ist nach wie vor ein totgeschwiegenes Problem.

Das Empfinden für Ästhetik im Ortsbild und rasche kreative Lösungen bei Missständen sind im politischen Alltag — aus meiner Sicht — leider eine Seltenheit.



Sie, Herr Issel, sind derjenige welchen in einer ihrer, zur Werbung für ihr Inmobiliengeschäft gebrauchten Kolummne, den guten Rat erteilen: kauft gute "Lagen" mit hoher Wertsteigerung. Andererseits verteufeln sie diejenigen welche die "guten Lagen" in Erwartung hoher Wertsteigerungen leer stehen lassen. Hätten sie ein Fuhrwerkerhaus in der Firmiangasse zu vermitteln, würden sie es nur an einen Interessenten verkaufen, welcher ihnen versichert, es in seinem ursprünglichen Zustand zu belassen, und auf die von ihnen versprochene Wertsteigerung zu Gunsten des Ortsbildes zu verzichten? Den würden sie wahrscheinlich nicht finden. Das Haus Ecke Jagdschlossgasse / Gobergasse finde ich völlig in Ordnung, es beherbergt eine für die Nahversorgung wichtige Apotheke. Natürlich ist jeder Abriss historischer Bausubstanz ein Problem, aber wie Herr Daubeck hätten sie die Station Hietzing für den modernen Verkehr genützt? Das in der Fasangarten-strasse "abgesoffene" Haus war extrem baufällig und hässlich noch dazu. Eine Stadt wie Wien ist einer permanenten Erneuerung ausgesetzt, welche mit der nötigen Umsicht zu geschehen hat. Das geht vom Haashaus bis in die Randbezirke. Als die Oper 1869 erbaut war die Empörung über die "Käseschachtel" enorm, heute zählt sie zu den wichtigen Bauwerken Wiens. was sagt uns das: Es hat schon immer Nörgler gegeben welche jedes Bauvorhaben präventiv verteufeln es sei denn ......... aber das ist die berühmte andere Geschichte.HP

Name nur für eingeloggte Personen sichtbar, 26.12.2009 um 19:34

Die Sünden in Hietzing ließen beliebig fortsetzen - schon länger her aber immer noch hässlich: die Sparakademie in der Hietzinger Hauptstraße, Fasangartengasse, wo der große Wasserrohrbruch "rechtzeitig" das Haus am alten Straßenniveau "absaufen" ließ, die Platzgestaltung des Lainzer Platzes, der Buwog-Bau aus den frühen 60ern des vorigen Jahrhunderts in der Gloriettegasse (wenige Häuser weiter hat man die Eigentümer wegen Fensterumbaues seitens der Denkmalbehörde ("Schutzzone") geplagt, das Haus im angeblich Alt-Hietzinger Stil (eher der Toskana entsprungen) eines Lobbyisten in der Wattmanngasse, der Abriss der Otto Wagner-Station Hietzing und der Ersatz durch das Bus-benutzerfeindliche Betonoval ... die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.Es wäre schön, würden zumindest die letzten Grätzel mit historischer Bebauung geschützt werden können. Positive Beispiele sind derzeit in der Gloriettegasse zu finden: die Villa Primavesi und auch das ehemalige Falnbigl-Haus wurden vorbildlich renoviert.

Name nur für eingeloggte Personen sichtbar, 26.12.2009 um 11:50



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